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Weihnachten im Sommer. Pettersson und eine andere Findus.

  • Autorenbild: Tiger Rudel Autorin
    Tiger Rudel Autorin
  • 24. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Jan.

Eine Hommage an Pettson und Findus.

Inspiriert von wahren Begebenheiten.


Alter Mann Pettson, junges Mädchen Jasmin und das Eichhörnchen Findus.

Pettersson war nun schon ein paar Tage in Mosambik.

Er war nicht wegen eines großen Plans hierhergekommen. Eher aus Neugier.

Ein alter Bekannter hatte ihm einmal gesagt, dass man in diesem Land lernt, anders zu schauen.

Langsamer. Aufmerksamer. Pettersson hatte das ernst genommen.


An diesem Morgen war er früh schwimmen gewesen.

Das Meer war ruhig, die Luft warm, und alles fühlte sich ein bisschen leichter an als zuhause. Danach setzte er sich in den Schatten einer Palme, nahm eine frische Kokosnuss in die Hand und trank langsam.

Er trug seine Brille, wie immer, und seinen alten Hut, wie fast immer.


Pettersson dachte an Findus.

In Schweden war jetzt Winter. Weihnachten stand vor der Tür. Findus würde sicher behaupten, dass Schnee besser sei als Sand, und gleichzeitig versuchen, beides zu essen.


Während Pettersson so dasaß, hörte er ein leises Kratzen über sich.

Nicht laut. Eher neugierig.

Er schaute nach oben. Nichts.

Er nahm noch einen Schluck aus der Kokosnuss.

Da bewegte sich etwas. Es raschelte direkt hinter Pettersson, oder doch über ihm?


Ein Eichhörnchen kam langsam den Stamm hinunter.

Vorsichtig. Prüfend. Es blieb stehen, sah Pettersson an, sah die Kokosnuss an, sah wieder Pettersson an.

Pettersson rührte sich nicht.


Das Eichhörnchen kam näher während es mit dem fluffigen Schwanz flickte.

Sie schnupperte. Knabberte ganz kurz an der Kokosnuss. Dann noch einmal. Pettersson musste schmunzeln.


„Na, du hast aber Mut“, murmelte er.


Im nächsten Moment war die Kokosnuss nicht mehr das Interessanteste.

Das Eichhörnchen kletterte ein Stück höher, beugte sich vor ... und zog mit erstaunlicher Entschlossenheit an Pettersson Brille.


„He!“, sagte Pettersson, mehr überrascht als böse.


Zu spät.

Die Brille war weg.


Das Eichhörnchen sprang davon, hielt die Brille fest und verschwand zwischen den Bäumen. Pettersson blinzelte, setzte den Hut fester auf und stand auf.


„Das ist jetzt aber unpraktisch“, sagte er zu sich selbst und folgte ihr.


Nach ein paar Minuten erreichte er ein Haus. Auf der Veranda saß ein Mädchen mit dichten, braunen Haaren und großen, warmen Augen.

Das Eichhörnchen sprang auf ihre Schulter, stolz wie jemand, der etwas Wichtiges erledigt hatte.


„Findus“, sagte das Mädchen überrascht.


Pettersson blieb stehen…. „Findus?“


Sie nickte. „jap.. das ist meine Findus.“


Pettersson lachte. So richtig. Laut.

Mehr als zweitausend Kilometer von zuhause entfernt und wieder ein Findus.

Er dachte sofort an seinen Kater und wusste schon jetzt, dass er ihm davon schreiben würde. „Er wird sich aber freuen“, dachte er sich.


Das Mädchen hieß Jasmin. Sie lebte dort mit ihrer Schwester und ihrem Schwager. Sogar ihre Mutter aus Deutschland war zu Besuch!

Rund um das Haus huschten weitere Eichhörnchen durch die Bäume. Jasmin erklärte ihm, dass es Smith's Bushhörnchen seien. Sie erzählte ruhig, sachlich, als wäre es das Normalste der Welt, mit ihnen zusammenzuleben.


Pettersson lernte dann alle kennen und wurde auch für Weihnachten von Jasmin und ihrer Familie zum gemeinsam essen eingeladen.


Pettersson hörte aufmerksam zu und machte sich eilig notizen, um auch ja nichts zu vergessen.


Am Abend saß er draußen und schrieb in sein Tagebuch. Für Findus. Für zuhause.

„Heute hat mir ein Findus die Brille gestohlen. Er lebt im Sommer, frisst Kokosnuss und denkt nicht an Weihnachten.Vielleicht denkt Weihnachten manchmal einfach an uns.“

Weihnachten, dachte er, kann auch warm sein.




Drei Eichhörnchen auf dem Baustamm

Über Findus, das afrikanische Buschhörnchen


Das kleine Hörnchen, dem Pettersson in Mosambik begegnet, gehört zur Art der afrikanischen Buschhörnchen, genauer gesagt dem Smith-Buschhörnchen (Paraxerus cepapi). Diese Hörnchen leben in vielen Teilen des südlichen Afrikas und sind perfekt an warme, trockene Regionen angepasst. Ihr Fell ist meist gelblich-grau bis sandfarben, ideal, um sich zwischen Bäumen, Büschen und Erde zu tarnen.


Buschhörnchen sind tagaktiv, neugierig und erstaunlich mutig. Sie klettern flink, sammeln Samen, Früchte und Nüsse und sind oft näher bei Menschen zu finden, als man denkt vor allem dort, wo es schattige Plätze und etwas Ruhe gibt. Trotz ihrer Verspieltheit sind sie sehr aufmerksam und kommunizieren viel über kleine Laute und Körperbewegungen.


Vielleicht war es genau diese Mischung aus Wachsamkeit, Neugier und Lebensfreude, die Pettersson an Findus erinnerte. Und vielleicht ist es auch kein Zufall, dass man manchmal genau dort, wo man es am wenigsten erwartet, ein kleines Stück Vertrautheit wiederfindet, selbst 2.000 Kilometer von Zuhause entfernt.


Das echte Eichhörnchen: Findus

Findus, die echte.


Findus, das Eichhörnchen aus dieser Geschichte, ist keine reine Fantasiefigur. Sie existiert tatsächlich, ein afrikanisches Buschhörnchen (Smith-Buschhörnchen, Paraxerus cepapi), das in Mosambik lebt und durch ihre Neugier, ihren Mut und ihre Eigenwilligkeit ganz von selbst ihren Namen gefunden hat.


Diese Geschichte ist eine persönliche Hommage an "Pettson und Findus" von Sven Nordqvist, eine Serie, die mich viele Jahre begleitet hat und in der es nie nur um einen alten Mann und einen Kater ging, sondern um Freundschaft, Staunen, leise Magie und das Ernstnehmen kleiner Wesen. Die Parallelen sind bewusst, liebevoll und mit großem Respekt gemeint.


Jasmin, das Mädchen in der Geschichte, ist meine Schwester. Zwischen ihr und Findus ist über die Zeit eine stille, wunderliche Freundschaft entstanden, ohne Zähmung, ohne Besitz, sondern durch Vertrauen, Geduld und gegenseitige Neugier. Genau diese Art von Verbindung hat diese Geschichte inspiriert.


Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich alles so vertraut anfühlt: Manche Geschichten findet man nicht in Büchern. Manche leben einfach plötzlich neben einem, im Schatten eines Busches, beim Klang des Meeres oder beim Teilen einer Kokosnuss.


Und manchmal heißen sie eben Findus.

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